Der Zwerg und die Kunst


Der Zwerg ist eine uralte mythologische Figur. Da die Quellen den Zwerg sehr oft in einem Zusammenhang mit der Kunst darstellen, werde ich hier diese Spur in dem Blog verfolgen. Dazu lade ich auf eine Reise durch alle Sparten der Kunst ein. Wir finden Zwerge, die in der Bildenden Kunst tätig sind, in der Literatur besiedeln sie gerne eine Metaebene. Im Barock waren sie die Stars der Darstellenden Kunst und im 19. Jahrhundert mussten Zwerge in der Angewandten Kunst millionenfach den USP der Produkte darstellen. Seit 140 Jahren wimmelt sich der Gartenzwerg nun erfolgreich durch die Volkskunst. Auch in der Konzeptkunst der Gegenwart findet man den Zwerg.

 

**** dieser Blog wird gefördert von der Hessischen Kulturstiftung******


Bildende Kunst

Der Zwerg als Metapher des Kreativen Prinzips



Zwerge sind die Bildhauer in der nordischen Mythologie

Wo auch immer die Figur des Zwerges in zugänglichen Quellen auftaucht, wird eine Geschichte der Kunst erzählt. Diese Spur wird in diesem Blog verfolgt. Die Zwerge in den isländischen Skalden und Sagas sowie in den Liedern der Edda treten fast ausschliesslich als Schmiede auf, als Bildhauer wundersamer aufgeladener Objekte. Davon sind ein knappes Dutzend beschrieben, bei einem Objekt, dem Hammer Thors, wird auch der Produktionsprozess aufgezeigt. Jede der Arbeiten erzählt eine besondere, wundersame und wichtige Geschichte, die ich hier einzeln vorstellen werde.

 

 

Das Meisterwerk des genialen Bildhauers Sindri ist das Objekt Gimle.

Gimle ist ein winziges Kleinod, ein goldener Keim, aber Gimle enthält total verdichtet Sindris ganze Kraft und Energie. Es ist die Kraft des Kreativen, die alles beinhaltet, was nach dem Weltenuntergang Ragnarök vonnöten ist, um daraus eine ganze neue Welt entstehen und wachsen zu lassen.

 

Gimle ist die Reduktion der Reduktion.

Der Zwerg der nordischen Mythologie ist die Metapher des Kreativen Prinzips, das die beständige Erneuerung der Welt garantiert und in seiner Performance fungiert er in der Erzählung als Verkünder dieses Wunderbaren.

 

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Literatur

Der Zwerg als Verkünder des Wunderbaren



Der höfische Zwerg in der Literatur des Hochmittelaters.

Während der Mythologische Zwerg selbst nicht beschrieben wird, folgt in der mittelalterlichen Literatur der Zwerg als ein integriertes höfisches Wesen und er ist auch christianisiert, sein Auftritt ist aber fest gefügt als Verkünder und Erzähler des Wunderbaren. So verliert er zwar selbst seine magischen Fähigkeiten, er besitzt also nicht mehr den magischen Ring und die damit verbundene Kraft, sondern er ist der Überbringer der Magie, der Überbringer des Rings an den Helden des Epos.

 

Metaebene

In der Erzählstruktur haben die Zwerge spezielle Positionen. Die Zwergenszenen enthalten z.B. quasi en miniture alles, was gerade auf der Erzählebene ausführlichst ausgebreitet wird. Die Zwergenebene steht also für eine Metaebene, in der alles reduziert und komprimiert im Winzigen schon vorhanden ist. Oft tritt er als Narr auf, der die vermeintlichen und überhöhten Ideale der höfischen Gesellschaft hinterfragt und parodiert. Auch hier nimmt er eine Metaebene ein.

 

Beliebt war auch, die Erzählungen mit kleinen Rahmengeschichten zu versehen und zu strukturieren. Diese Rahmengeschichten waren dann die Bühne der Zwerge, die der Geschichte Struktur gaben und die neue Episoden anmoderierten. Auch hier sind sie Darsteller der Metaebene.

 

 

 

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Darstellende Kunst

Der Hofzwerg im Barock als Performance Künstler



Im Barock hatten Kleinwüchsige ihre grosse Zeit
„Wenn auch im Hause Neuburg an der Donau nicht viel Geld zu finden war, so muss Maria Franziska von Fürstenberg-Heiligenberg (1619-1688) doch einiges in die Ehe mitgebracht haben, sonst wären die achtunddreißig Zwerge, die sie sich hielt und die eine neue Note in das Baden-Badener Stadtbild fügten, unverständlich. Sie gab ihnen Namen wie Dürrschnabel und Dürrschnablin und stiftete auch gern Ehen zwischen ihnen. Ihr Ehemann Markgraf Wilhelm von Baden befahl ihr, als es ihm zu arg wurde, dreißig aus dem Dienst zu entlassen.“ (aus Wikipedia)
Der Hofzwerg
Hofzwerg war ein hochangesehener, präzise beschriebener und bestens bezahlter Job, der ein extrem hohes Bildungsniveau und eine umfassende Kenntnis der Etikette vorausetzte, ausserdem eine solide Ausbildung in der damaligen Performance-Kunst. Die Abbildung zeigt den berühmten und mächtigen Hofzwerg mit dem Namen Jakob Ries, der Riesenjobs bediente und u.a. auch Hofmarschall in Wien war.
Die Zwerge der Medici
Die Medici in Florenz hatten eine Art Zwergenhofstaat mit eigenem Theater und Orchester. Sie haben in ganz Europa die Intellektuellen und die Künstler unter den Kleinwüchsigen gecasted, die in Florenz hochdotierte Jobs hatten oder denen eine allerfeinste Ausbildung zuteil wurde. Im Barock hatte man als Kleinwüchsiger grosse Chancen auf subventionierte Bildungsprogramme, die für den Rest der Bevölkerung nicht zur Verfügung standen. 
Der Hofnarr
Hofnarren im Barock ware allesamt Teil der Intellektuellen-Kaste am Hof. Als sehr enger Begleiter eines Herrn musste er mit allen Feinheiten und den Zwischentönen der höfischen Rituale absolut vertraut sein. Er fungierte als Berater und als professioneller Kritiker.

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Angewandte Kunst

Der Zwerg als Reklame Star im 19. Jahrhundert



Zwerge als Träger und Darsteller der Magie der Produkte

Die Erfindung der Lithographie 1780 durch Sennefelder ließ im 19. Jahrhundert eine völlig neue Sparte innerhalb der Gebrauchskunst und der Kommunikation entstehen. 

Das grafische Gewerbe.

Ab 1850 begann ein unglaubliches Zwergengewimmel bei den Illustratoren der neu entstandenen Reklamebranche.

 

Unter der Tarnkappe der Produktgeheimnisse

Aus dem Lithographischen Privat-Atelier meines Urgrossvaters Wilhelm Mühlmeister berichtet der Hamburger Salonmaler Wilhelm Allers über seine Lehrzeit im Jahr 1873: "Und dann mussten wir bei Mühlmeister ständig diese ewigen Gnome und Heinzelmännchen zeichnen, die entweder auf einer Leiter einen blank geputzten Stiefel hochkletterten, eine Senfgurke transportierten oder sonst irgendeine Torheit anstellten." Zwerge waren die kommunikative Strategie, das offensichtlich Nichtsichtbare, z.B. der Schuhwichse, sichtbar zu machen. Aus den Hausgeistern wurden Produktgeister.

 

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Reklame Zwerge im 19. Jahrhundert
Reklame Zwerge im 19. Jahrhundert

Volkskunst

Der Gartenzwerg - die erfolgreichste deutsche Kleinplastik



Die Figur des Deutschen Gartenzwergs ist weltberühmt

Der Gartenzwerg ist bekannter als Elvis Presley, sagt der Zwergen-Konzeptkünstler Otmar Hoerl. Tatsächlich hat der Deutsche Gartenzwerg absoluten Weltruhm erlangt. 1882 zum ersten mal nachweislich zum Verkauf angeboten gibt es Zig-Tausende Varianten des Gartenzwergs. In der Anfangszeit wurden diese von hervorragenden Modelleuren und Bildhauern hergestellt. Einen lebendgroßen Gartenzwerg von ca 80 cm in Serie zu produzieren, war anspruchsvollste Keramik-Kunst und das bemalte Endprodukt kostete gerne den Monatslohn eines Arbeiters.

 

Standort Böhmen

Die anspruchsvollsten Gartenzwerge wurden in Böhmen an der sächsischen Grenze hergestellt. Die Manufakturen von Johann Maresch in Aussig und Bernhard Bloch in Eichwald waren Stars der Jugendstil Keramik Branche in Europa.

 

Der Standort Thüringen,

vorwiegend in Gräfenroda, entwickelte sich aus sogenannten Tierköpfnereien Keramik-Manufakturen, die unglaublich realistisch Tiere nachgebildet haben, was wohl Anfang des 19. Jahrhunderst sehr beliebt war. Um 1900 gab es in Gräfenroda mehrere Dutzend Keramikstudios, die zum Teil Produktpaletten mit einigen Hundert Figuren im Angebot hatten