Hausgeister sind ein globales Phänomen


Nachrichten aus einer beseelten Welt


Hausgeister werden weltweit sehr ähnlich beschrieben

Mythenhopping zum Thema Hausgeist bringt eine unglaubliche Fülle an Figuren weltweit zutage. Die buddhistische Welt ist heute noch komplett beseelt und es gehört auf jedes Grundstück ein Haus für den Hausgeist. Die kann man in Thailand und in Bali im Baumarkt kaufen. Hier und auch sonst weltweit, wird der Kobold gefüttert. Der europäische Kobold liebt Haferflocken, ohne die er auf Dauer nicht zu halten ist.

 

Der Sippenfriedhof in Maiches im Vogelsberg

Im Vogelsberg gibt es in einem Vulkankrater den einzigen Friedhof in Deutschland, auf dem die Gemeinschaftgräber einem Haus, bzw dessen Geist zugeordnet werden. Dieser Friedhof ist Jahrtausende alt und wurde als sogenannter Sippenfriedhof von der Kirche vereinnahmt. Es werden allerdings noch heute die Großgräber den Häusern im Dorf zugeordnet und nicht wie üblich Familien.

 

wird vervollständigt .....

 

 


Manchmal leben mehrere Hausgeister auf einem Platz

Will man in Thailand ein Haus bauen, geht zuerst der Priester auf das Baugrundstück und verhandelt mit dem dort schon immer lebenden Geist, dass ein Haus gebaut werden soll. Die Zustimmung ist immer an Bedingungen geknüpft. Der Hausgeist möchte auch ein Haus. Auf dieses darf niemals der Schatten des neuen Hauses fallen. Und damit er nicht vergessen wird, erwartet er, dass er regelmässig, am besten täglich, gefüttert wird.


Aus der Praxis


Der Hausgeist als Bauleiter


 

Experimentelles Bauen im Flow
Im Asiatischen spielt der Hausgeist beim Bauen stets eine grosse Rolle. Will man z.B. in Bali ein Haus bauen, geht man zuerst mit diesem Anliegen zum Priester. Die beherrschen nämlich die Kunst der Konversation mit Geistern und der Priester verhandelt dann im Auftrag mit dem an dem Platz wohnenden Geist bezüglich des Bauvorhabens. Meistens stimmen die zu, wollen aber selbst auch ein kleines Haus haben und jeden Tag etwas zu essen und zu trinken. Und beweihräuchert wollen sie auch werden. Hauptbedingung ist aber immer, dass das Geisterhaus nie im Schatten des neuen Hauses stehen darf. In den asiatischen Baumärkten gibt es eigene Abteilungen für diese Geister-Häuser.
Da ich ein begeisterter Praktiker bin, versuche eine solche Haltung in meiner Arbeit experimentell anzuwenden. Was bei solchen Experimenten raus kommen kann, erzähle ich in der kleinen folgenden Geschichte:
Ich lebe seit 35 Jahren in einem alten Werkstatthaus mitten in Giessen (90.000 Einwohner). Oben alte Schreinerei unten alte Glasbläserwerkstatt. Vor 3 Jahren konnte ich das Haus kaufen, musste aber 2 Garagen auf dem Vordergrundstück abgeben, die als Keramik & Beton-Werkstatt und als Lager dienten. Alles Geld war in dem Hauskauf gelandet und für Extras war kein Etat mehr da. Gar keiner. Ich habe das Problem dann „experimentell" mit unserem Hausgeist besprochen. Wie komme ich zu einem Ersatz zu den 2 Garagen. Wohin mit dem ganzen Zeug? Ohne Geld.
Materialbeschaffung von Geisterhand
Und dann ging das auf einmal los. Auf dem Weg in die Stadt sah ich ein paar Tage später, 200 m von unserem Haus entfernt, dass eine grosse Stadtvilla umgebaut wurde und 2 Balkontüren da rum standen und nach mir pfiffen. Sie wollten gerne zu mir. Ich liebe alte Balkontüren und habe aus 3 Türen schon vor Jahren einen coolen, riesigen Einbau-Geschirrschrank im Esszimmer gebaut. Roman hiess der Bauarbeiter, den ich ansprach. Der freute sich, dass er mir die Türen schenken konnte und meinte, sie hätten noch mehr für mich. Ich bekam dann: 2 doppelflüglige Balkontüren 2,50 hoch plus 3 riesige, 2- bzw- 3 flügelige Etagen-Eingangstüren inklusive der Oberlichter (alles 4 m hoch). Ich habe ne Kiste Bier spendiert und alle waren glücklich.
Die Bauaufsicht war hoch vergnügt
Ich habe dann auf Grundlage meines neuen Baumaterials ein paar Zeichnungen gemacht, wie damit die kleine Baumarktgartenhütte meiner alten. Vermieterin aufgepeppt werden könnte. Das vorhandene Material gab natürlich die Maße und die Zeichnung vor. Ich versuchte immer in einem Bereich zu bleiben, den ich als Carport oder genehmigungsfreie Garage deklarieren konnte. Ein Bekannter rief mich dann an, sie hätten in der Firma so eine Riesenkiste aus dicken Balkonbrettern, ob ich die haben wolle. Wollte ich. Wieder war eine Kiste Bier fällig. Die Fläche der Kiste war exakt so gross wie der Fussboden des neuen Gebäudes. Wir hätten uns mittlerweile gewundert, wenns nicht gepasst hätte. Da wir für die Umnutzung von Werkstatt zu Wohnhaus eine Baugenehmigung brauchten, hat unser Architekt die Hütte gleich eingezeichnet und uns den ganzen Bauantrag nicht berechnet, sondern geschenkt. Und dann passierte es wieder. Der Chef vom Bauamt sagte, ich soll jetzt mal aufhören mit dem Scheiss-Carport Gefasel. Das wäre kein Carport, sondern ein Sommeratelier. Aber es würde ihm grosses Vergnügen bereiten, mir dafür eine Baugenehmigung inkl. Grenzbebauung zu geben. Was dann auch geschah.
Hausgeister greifen tief in die Zeit
Und damit man sieht, was so ein Hausgeist alles drauf hat, wenn man mit ihm zusammen baut und ihn in die Materialbeschaffung einbindet, kam dann auch noch folgendes ans Licht. Die ganzen wunderschönen, schlichten Türen aus dem Jugendstil hat im Jahr 1897 allesamt der Schreinermeister Louis Müller HIER in seiner Werkstatt gebaut. Ja, genau der Schreiner, der ursprünglich mein Haus gebaut hat. Der Hausgeist kannte natürlich die alten Geister, die hier schon lange vor mir lebten, arbeiteten und in irgendeiner Weise hier vermutlich noch rumhausen. Er hat nach Baumaterial gefragt, Olle Louis Müller konnte liefern. Und er hat seine alten Türen nach 130 Jahren nach Hause geschickt, wo sie eine neue Zukunft bekommen. Die notwendigen Balken gab es noch vom ehemaligen Elternhaus meiner Frau, die lagen in der Garage ihres Vaters. So kam alles zusammen und wir mussten nur ein bisschen Konstruktionsholz kaufen und die Bebretterung für das halbe Dach.
Homerun im FLOW
Das mit den Türen nennt am einen HOMERUN. Die alten Türen konnten all die Jahre immer auf das Grundstück hier gucken, habe ich später festgestellt (196 m Luftlinie.) Alles passierte wie von selbst, alles passte und alles hatte die richtige Grösse. Der Hausgeist hat das Baumaterial angeschleppt und ich habe es nach den Gegebenheiten zusammengebaut. Ich habe mir dabei den Spass gemacht, fast alles mit einer Japansäge von Lidl mit der Hand zu sägen. Aber es flutschte einfach alles, wie es nur flutschen kann. Ich glaube, das nennt man im „FLOW“ arbeiten.
100% experimentelle und kollektive Geisterarbeit.

 


Hausgeist historisch


Bauopfer in der Steinzeit