Der Zwerg und die Kunst
Die Frage, "Was ist überhaupt ein Zwerg?" ist nicht einfach zu beantworten. Die verfügbaren Quellen zeigen über Jahrhunderte den Zwerg als Künstler sowohl in der Bildenden als auch der Darstellenden sowie der Angewandten Kunst und auch in der Literatur. Diese Spur wird in dem Blog verfolgt. In der nordischen Mythologie werden Zwerge als Bildhauer des Wunderbaren beschrieben, In der Literatur des Hochmittelalters als Verkünder des Wunderbaren. Im Barock erscheint der Hofzwerg als Performer .....
Der Zwerg als Metapher des Kreativen Prinzips
Wo die Figur des Zwerges in den Quellen der nordischen Mythologie auftaucht, wird immer eine Geschichte der Kunst erzählt. Die Zwerge in den isländischen Skalden und in den Liedern der Edda treten vorwiegend als Schmiede auf, als Bildhauer wundersamer aufgeladener Objekte. Einige sind beschrieben, bei dem Hammer Thors, wird auch der Produktionsprozess aufgezeigt. Die reduzierteste Arbeit ist Gimle, ein goldener Keim, der alles enthält, dass daraus eine ganze neue Welt entstehen kann.
Der Zwerg in der Minne des Hochmittelalters
Der höfische Zwerg in der Minne und der Literatur des Hochmittelalters beschreibt die Transformation des Magischen. Obwohl dem Zwerg jetzt höfische Sitten und auch Christlichkeit zugeschrieben wird, erscheinen die Zwerge verbunden mit dem Wunderbaren und treten auf als Verkünder des Wunderbaren. Wobei der Zwerg selbst hier seine magischen Fähigkeiten verloren hat und er nicht mehr selbst Urheber und Hüter magischer Dinge ist. Der Zwerg wird zur Chiffre des literarischen Sprechens.
Der Hofzwerg als Performance Künstler
Hofzwerg war ein hochangesehener, präzise beschriebener und bestens bezahlter Job, der ein extrem hohes Bildungsniveau und eine umfassende Kenntnis der Etikette vorausetzte, ausserdem eine solide Ausbildung in der damaligen Performance-Kunst. Die Abbildung zeigt den berühmten und mächtigen Hofzwerg mit dem Namen Jakob Ries, der Riesenjobs bediente und u.a. auch Hofmarschall in Wien war. Die Medici in Florenz unterhielten einen eignen Zwergenstaat mit eigenem Zwergen-Theater auf höchstem Niveau.
Der Zwerg in der Reklame des 19. Jahrhunderts
Mit der Erfindung der Lithographie entwickelte sich eine neue Form der Angewandten Kunst. Die Werbung. Der Hamburger Künstler Wilhelm Allers berichtet über seine Lehrzeit in der angesagten "Reklamebude" meines Urgrossvaters Willem Mühlmeister aus dem Jahr 1873: "Und dann hatten wir noch den ganzen Tag diese langweiligen Gnome und Heinzelmännchen zu machen, die entweder mit der Leiter einen blank geputzten Stiefel erkletterten, eine Senfgurke transportierten oder sonst irgendeinen Unfug machen."
Der Gartenzwerg - serielle Kleinplastik in der Volkskunst
Der Gartenzwerg ist bekannter als Elvis Presley, sagt der Zwergen-Konzeptkünstler Otmar Hoerl. Tatsächlich hat der Deutsche Gartenzwerg Weltruhm erlangt. 1882 zum 1. mal nachweislich zum Verkauf angeboten gibt es Tausende Varianten des Gartenzwergs. In der Anfangszeit wurden diese von hervorragenden Modelleuren und Bildhauern hergestellt. Einen lebendgrossen Gartenzwerg von ca 80 cm in Serie zu produzieren, war anspruchsvollste Keramik-Kunst und kostete gerne einen Monatslohn.
Hausgeister sind ein globales Phänomen
Mythenhopping zum Thema Hausgeist bringt eine unglaubliche Fülle an Figuren weltweit zutage. Die buddhistische Welt ist heute noch komplett beseelt und es gehört auf jedes Grundstück ein Haus für den Hausgeist. Hier und auch sonst weltweit, wird er gefüttert. Der europäische Kobold liebt Haferflocken, ohne die er auf Dauer nicht zu halten ist. Im Vogelsberg gibt es in einem Vulkankrater den einzigen Friedhof in Deutschland, auf dem die Gemeinschaftgräber einem Haus-Geist zugeordnet werden.